Wie bist du zur Freiheitsdressur mit Miniponys gekommen?

Ich habe meine Leidenschaft zur Freiarbeit eigentlich mit großen Pferden entdeckt und immer weiter daran gefeilt. Besonders bedeutsam dafür war die intensive Beziehung zu meinem Araber „Sol“, meinem Avatar. Er hat mich immer aufs Neue gefordert, mir meine eigenen Grenzen gezeigt und mir in Konsequenz sein bedingungsloses Vertrauen entgegengebracht. Sein Training hat mich auf ganzer Linie geschult und meinen Ehrgeiz geweckt. Als ich dann auf einmal von einem Minipferd namens „Charlie“ hörte, fuhr ich nach Neapel, um ihn mir anzuschauen. Ich war neugierig. Schon als kleines Kind träumte ich immer davon, ein Miniaturpferd zu besitzen und es zu trainieren. „Charlie“ war damals zweieinhalb und ich war sofort begeistert. Er sollte Teil meiner Pferdefamilie werden und – obwohl er damals nicht zum Verkauf stand – konnte ich ihn dennoch drei Monate später mein Eigen nennen.

Erst einige Zeit später entdeckte ich sein Talent und entschloss, ihn in meine Freiarbeit einzubeziehen. Er liebte es, den großen Tieren zu zeigen, wo es lang geht und sich als ihr Chef aufzuspielen. Nach und nach entwickelte sich aus der Freude, die der Kleine mir machte, der Wunsch, eine eigene Freiheitsdressur mit Miniponys zu entwickeln.

Bartolo Messina trainiert mit seinen Miniponys auf der italienischen Insel Ischia.

Was sind die Herausforderungen beim Training von Miniponys im Vergleich zu Großpferden?

Ich muss gestehen, dass gerade die Kleinen im Training eine echte Herausforderung sind. Oft "vergessen" sie, wie klein sie sind, wollen unbedingt mit den großen mithalten und ihnen zeigen, dass sie ihnen in nichts nachstehen. Besonders „Charlie“ testet oft seine Grenzen. Tatsächlich ist er das schwierigste Pferd, das ich je trainiert habe. Er ist eben ein Hengst. Einmal habe ich ihn dabei beobachtet, wie er meinen Araber „Sol“ getreten hat. Er wirkte so wütend, während „Sol“ nur an ihm herunter schaute mit einem Gesichtsausdruck, der eine Mischung aus Unverständnis und Mitleid zeigte. 

Grundsätzlich sind die kleinen Ponys aber wahnsinnig niedlich. Das sehe nicht nur ich so, sondern auch alle Menschen, die sie bisher bei mir gesehen haben. Sie haben das unvergleichliche Talent, das Kind in ihren Zuschauern zu wecken. Sie verkörpern einen Traum, die Reinheit unseres Herzens – sie sind wie die Teddybären, die wir alle hatten und an die wir uns auch viele Jahre später noch erinnern. Dennoch: Sie sind wahrlich keine Engel und haben ihren ganz eigenen Kopf. Manchmal sind sie kleine Teufel in Pferdegestalt, aber ich liebe sie einfach.

Wie leben die Miniponys bei dir zu Hause?

All meine Pferde leben bei mir – in meinen Stallungen auf der wunderschönen italienischen Insel Ischia. Ich muss nur aus meiner Haustür und habe sie alle um mich – mein Zuhause ist auch ihres. Ich kann sie sogar aus meinem Schlafzimmer hören und weiß sofort, ob etwas mit ihnen nicht stimmt. Das passiert allerdings höchst selten, meist höre ich sie nur ihr Heu kauen. Ich mag es nicht, weit weg von meinen Pferden zu sein – sie sind eben meine Familie.

Seine kleinen Show-Stars verzücken die Zuschauer in der aktuellen Show "Cinema of Dreams".

Welche Tipps kannst du Anfängern geben, wenn sie mit der Freiheitsdressur beginnen wollen?

Für mich ist die Grundvoraussetzung zur gemeinsamen Arbeit zuerst einmal, Pferde als Pferde zu respektieren. Man muss zu einem Pferdeversteher werden. Das klingt so leicht, aber ich stelle immer wieder fest, dass die meisten Reiter kaum etwas über ihre Tiere wissen – deren Vorliebe für bestimmtes Futter oder verschiedene Trainingseinheiten mal ausgenommen. Für die freie Arbeit mit Pferden ist es unerlässlich, die Körpersprache seines vierbeinigen Partners genau zu verstehen, kleinste Signale lesen und vor allem deuten zu können. Daher beobachte ich die meisten Reiter erst einmal im Umgang mit ihren Pferden und helfe ihnen, zu verstehen, was warum passiert.

Außerdem ist es unverzichtbar, sich selbst und die eigene Energie zu kontrollieren. Wer zu schnell zu viel von seinem Pferd verlangt, wird damit nichts erreichen. Die Tiere sind so nur schwer zu trainieren und bleiben nicht bei einem. Auch das klingt leicht, ist aber harte Arbeit. Pferde müssen uns als ihren Anführer verstehen und akzeptieren. Als jemanden, der klar kommuniziert, der klare Anweisungen gibt, der stets Sicherheit ausstrahlt und niemals etwas verlangt, was nicht in der Natur der Tiere ist. Immer wieder testen sie einen – immer wieder aufs Neue müssen wir uns ihren Respekt und ihr Vertrauen verdienen. Daher ist Arbeit an uns selbst der absolute Schlüssel zum Erfolg.