Seit wann arbeitest du mit Pferden und wie bist du dazu gekommen?

Es gab in meinem Leben vermutlich keinen Tag ohne Pferde. Ich bin mit ihnen aufgewachsen und bin bereits mit fünf Jahren die Pferde meiner Großmutter geritten. Sie war professionelle Reiterin. Ab meinem 18. Geburtstag bin ich selbst aufgetreten – zunächst für zwei Jahre in Amerika, im Anschluss bin ich dann zu APASSIONATA gekommen. 

Ich habe diverse Disziplinen der Reiterei ausprobiert: Dressur, Trickreiten, Western – meine große Liebe ist aber die Ungarische Post.

Zusammen mit seinem Trainer Eric Hasta Luego bespricht Laury neue Stunts.

Was magst du besonders an der Ungarischen Post?

Ich liebe zum einen ihre Dramatik – machen wir uns nichts vor, diese Disziplin ist nicht ungefährlich. Dennoch vertraue ich meinen sechs Pferden liebend gern meine Gesundheit an – und genau das spüren sie. Ich liebe, dass sie jederzeit auf meine Stimme reagieren und stets zu 100% bei mir sind. Dabei sind sie aber trotzdem wahnsinnig schnell. Die Ungarische Post ist für mich die perfekte Kombination aus Spannung, Spaß und einer sehr tiefen Bindung zum Pferd.

 

Wie sieht eine typische Trainingseinheit mit deinen Pferden aus?

Wenn ich mich auf eine neue Tournee vorbereite und die Choreografie in meinem Kopf schon ausgearbeitet habe, trainiere ich selbstverständlich viel, damit die Pferde sich so natürlich und langsam wie möglich an die einzelnen Elemente und Sprünge gewöhnen und sie so lernen. Ich habe ein sehr gutes Gedächtnis – das muss ich auch meinen Pferden ermöglichen, indem ich behutsam und in kurzen aber häufigen Trainingseinheiten vermittle, was genau ich von ihnen will. 

Während der Tournee longiere ich die Pferde oft nur, um sie aufzuwärmen, sie zu bewegen und sie ein bisschen auszupowern. Sie kennen die Abläufe während der Show und die Choreografie sitzt – daher trainiere ich die gesamte Szene nur, wenn wir beispielsweise eine oder zwei Wochen spielfrei haben, damit die Pferde nicht aus dem Rhythmus kommen. Im normalen Touralltag geht es mir vor allem um das Aufwärmen der Muskulatur für die Sprünge. 

 

Wie sieht der Alltag deiner Pferde während der APASSIONATA-Tournee aus?

Unter der Woche sind die Pferde im sogenannten Zwischenstall. Da haben sie ihre Boxen, mehrere große Paddocks mit viel Auslauf. Ein ganz normales Pferdeleben. Ich oder einer meiner Teamkollegen bleiben immer bei ihnen – wir wechseln uns ab. Im Stall werden die Tiere natürlich auch viel bewegt, es gibt kleinere Trainingseinheiten oder einfach Wellness, je nach Tag und Stimmung der Tiere. An den Show-Wochenenden sind sie dann in Stallzelten untergebracht – natürlich immer nebeneinander. Täglich habe ich viel Trainingszeit, in der ich ihnen die neue Halle zeige, sie dann nacheinander longiere und sie mit allem vertraut mache. Vor jeder Show longiere ich sie dann noch einmal kurz im Abreitezelt, damit die Muskulatur warm wird.

Auf diese beiden kann Laury sich stets verlassen: seine Lusitanos "Al" und "Capone".

Wie bereitest du deine Pferde auf die Anforderungen der Show vor?

Zwei Wochen vor der Premiere kommen alle Reiter und Teams in der Premierenstadt zusammen. Dort zeigen wir den Tieren alle Elemente der Show – die Lichteffekte, die Musik und die Kostüme. Die Eingewöhnung erfolgt Schritt für Schritt, die Musik wird von Mal zu Mal etwas lauter und die Lichteffekte werden beispielsweise erst ohne, dann gemeinsam mit der Musik trainiert. 

Was das angeht, sind meine Pferde aber völlig entspannt, sie sind absolute Vollprofis. Außerdem haben wir auch an unserem heimatlichen Stall in Nîmes eine Licht- und Tonanlage, so dass sie zumindest ihre Auftrittsmelodie schon sehr gut kannten und auch bei beweglichen Lichtpunkten keinerlei Angst zeigten. 

Die Musik ist in der Reitbahn übrigens deutlich leiser als für die Zuschauer, da die Lautsprecher von der Arena weg gewölbt sind. Nur so kann ich mit meinen Pferden auch über meine Stimme kommunizieren, was ja für die Arbeit am langen Zügel absolut entscheidend ist. 

 

Wie motivierst du deine Pferde im Training? 

Ich führe die Pferde immer in Paaren und habe sie auch von Beginn an genau in diesen Konstellationen trainiert. Das bedeutet, dass die Tiere in genau den Paarungen wirklich gut befreundet sind. Das allein motiviert sie schon sehr  wer verbringt nicht gern Zeit mit seinen Freunden? Dazu kommt, dass sie sehr verspielt sind, typische Hengste eben. Bei den Sprüngen und dem Slalom jagen sie sich förmlich und wollen schneller sein als die anderen Paare – sie genießen ihren Auftritt und sehen ihn als Spiel an. Außerdem ist es wichtig, dass ich eine enge Bindung zu den Pferden habe, sie müssen Freude an der Arbeit mit mir haben.