Reiten macht fit

Giulia Giona beeindruckte mit ihrem akrobatischen Talent das Publikum bei PASSIONATA „Im Bann des Spiegels“. Im Interview berichtet sie, welchen positiven Einfluss der Reitsport auf den Körper und den Muskelaufbau hat.  

Guilia Giona beim Training mit ihrem Vater und Freiheitskünstler Alex Giona.

Reiten wird häufig nicht als wirkliche Sportart gesehen, weil man ja scheinbar „nur“ auf einem Pferd sitzt. Stimmt das?

Giulia: „Dass Reiten kein Sport sei, ist ein großer Irrtum! Es zählt zu den komplexesten und anspruchsvollsten Sportarten, da viele verschiedene Muskelbereiche gleichzeitig beansprucht werden.
Dazu muss man einen ausgeprägten Gleichgewichtssinn und Kondition mitbringen. Es ist durchaus mit Rad- oder Skifahren zu vergleichen.“

Eine gut trainierte Rückenmuskulatur ist das A.O. beim Reiten.

Welche Muskeln werden denn genau beansprucht?

Giulia: „Vor allem die Rücken- und Bauchmuskulatur muss gut ausgebildet sein, um sich gerade auf dem Pferderücken zu halten. Dazu wird auch die Beinmuskulatur beansprucht, vor allem die Oberschenkel. Je nach Reitsportdisziplin wird man körperlich ganz unterschiedlich gefordert. So muss man fürs Springreiten oder Vielseitigkeit ein hohes Maß an Kondition mitbringen, in der Dressur fällt die Balance mehr ins Gewicht. Generell wird das Herz-Kreislaufsystem angeregt, was sich positiv auf den gesamten Körper auswirkt.“

Reiten macht also nicht nur Spaß, sondern ist auch eine besonders gesundheitsfördernde Sportart?

Giulia: „Auf jeden Fall! Es fördert die Koordinationsfähigkeit, beugt Rückenproblemen durch die gute Ausbildung der Rumpfmuskulatur vor und löst durch die rhythmischen Bewegungsabläufe Verspannungen. Natürlich verbrennt man auch Kalorien: Eine durchschnittlich gebaute Person kann innerhalb von 60 Minuten auf dem Pferd über 300 kcal abbauen! Hinzu kommt, dass man sich natürlich ständig an der frischen Luft betätigt, was super für den Kreislauf ist! Außerdem ist dieser Sport auch für die Psyche sehr gesund. Für viele Reiter ist das gemeinsame Training mit ihrem Pferd eine Art der Entspannung und des Stressabbaus.“

Die meisten Sportarten kann man im Alter nicht mehr uneingeschränkt betreiben. Gilt das auch fürs Reiten?

Giulia: „Nein! Reiten kann einen bis ins hohe Alter fithalten, man kann wirklich ewig dabei bleiben. Wenn man ein eigenes Pferd hat, das ja genau wie man selbst altert, ergibt es sich ganz von allein, dass man irgendwann etwas kürzer tritt. Aber  aufgeben muss man den Sport nie, solange man noch gesundheitlich dazu in der Lage ist. Ich komme selbst aus einer Reiterfamilie – auch meine Großeltern sind ihren Pferden und dem Sport immer treu geblieben.“

Was schätzt du am Reiten besonders? 

Giulia: Ich bin ja in erster Linie Akrobatin und trainiere viel am Vertikaltuch. Ohne den optimalen Ausgleich wäre mir das vermutlich zu eintönig. Neben den positiven  Effekten auf Muskulatur und Körperspannung liebe ich das Reiten besonders, weil es mich unheimlich entspannt. Ob bei gemeinsamen Ausritten mit meinem Vater Alex oder beim Training mit meinem wunderschönen Friesen Adrian: Auf dem Pferd kann ich abschalten, zur Ruhe kommen und Kraft tanken. Pferde sind Partner, die einen immer wieder fordern, einem aber auch unheimlich viel Vertrauen entgegenbringen. Der Umgang mit ihnen schult also nicht nur die eigene Persönlichkeit, sondern ist jedes Mal aufs Neue auf ganz eigene Weise unheimlich erfüllend.