Lisa und Viktor auf Wolke sieben

Jede freie Minute nutzen

Nachdem ich Viktor einen Zettel mit meiner Telefonnummer zugesteckt hatte, half ihm sein Freund Jérôme noch in derselben Nacht, eine SMS an mich zu formulieren. Ich war so glücklich, von ihm zu lesen. Während der folgenden zwei Tage, an denen APASSIONATA noch in München gastierte, verbrachten wir jede freie Minute gemeinsam. Die nächste Station der Tournee war Hamburg. Eigentlich hatte ich weder das Geld noch die Zeit, dennoch reiste ich Viktor hinterher. Ich wollte ihn wiedersehen. Ihm ging es ganz ähnlich: Nur wenige Tage später besuchte er mich in München. So schön die Stunden miteinander waren, wir wollten uns noch öfter und vor allem regelmäßiger sehen. Da kam mir DIE Idee: Ich bewarb mich als Merchandise-Aushilfe bei APASSIONATA und hatte Glück. Ich bekam die Zusage und konnte mit auf Tournee gehen. So waren Viktor und ich bis zum Finale im Mai an jedem Wochenende zusammen. 

Aufbruch ins Ungewisse

Nach Tourende wusste ich, dass ich bei Viktor bleiben wollte. Also zog ich zunächst über den Sommer zu ihm in ein kleines Dorf nach Brandenburg. Wir wohnten in einer winzigen möblierten Einliegerwohnung, mitten im Wald, und verbrachten drei Monate lang jeden Moment gemeinsam in der Natur und bei den Pferden. Mit Herbstbeginn verließ ich schließlich meine bayerische Heimat, meine Familie und all meine Freunde, um bei dem Mann meiner Träume leben zu können. Es war ein Aufbruch ins Ungewisse, bei dem alles hätte schiefgehen können. Ernsthafte Zweifel, ob die Entscheidung richtig war, sind mir und uns bis heute nie gekommen. So ist das wohl, wenn man auf sein Herz hört. Das Zusammenleben mit meinem Ukrainer war mir gerade in der Anfangszeit völlig fremd - ihm ging es genauso. Wir kommen aus zwei völlig verschiedenen Kulturen und lernen auch heute noch jeden Tag voneinander. Ich für meinen Teil nehme immer mehr die ukrainische Gelassenheit an, Viktor lernt die deutsche Pünktlichkeit. Das bereichert unser gemeinsames Leben und unsere Sicht auf die Welt ungemein. Kurz vor Weihnachten 2013 heirateten wir schließlich und machten damit unser Glück perfekt. Mit einem uralten Fort fuhren wir bei Nacht und Nebel auf eine dänische Insel, wo wir uns zu zweit und in Jeans das Ja-Wort gaben. 

Das Abenteuer "Trickreiten"

Als ich zu ihm zog, setzte mich Viktor auch das erste Mal auf sein Pferd "Apollo". Ich dachte, ich müsste sterben - und das schon im Schritt. Vor lauter Schutzbekleidung sah ich aus wie ein American Football-Spieler. Fortan begann ich, jeden Tag zu reiten und viel Zeit mit Pferden zu verbringen. So lernte ich, dass ich eigentlich nur Angst vor den schönen Vierbeinern hatte, weil ich sie und ihre Sprache nicht verstand, und das galt es zu ändern. Mein größtes Abenteuer aber war es wohl, das Trickreiten zu erlernen. Zum einen verspürt man ja grundsätzlich nur selten das Bedürfnis, sich in vollem Galopp vom Pferd zu stürzen. Die für mich größte Herausforderung aber war es, meine Panik vor dem Herunterfallen zu überwinden. Die war natürlich vor allem meinem Rückenproblem geschuldet. Mit viel Schweiß, Geduld und Überwindung gelang es mir aber schließlich. Inzwischen reiten Viktor, seine Equipe und auch ich immer wieder gemeinsam Shows in ganz Deutschland. Wir sind wirklich in allen Lebenslagen ein eingespieltes Team. Ich habe heute natürlich immer noch manchmal Angst, mich zu verletzen. Aber die Sehnsucht, über mich hinauszuwachsen, ist einfach stärker.

Mein Traum wurde wahr…

Mit Viktor in der Natur mit unseren Pferden zu leben, gemeinsam in Sonnenuntergänge und über Sommerfelder zu reiten, im Morgennebel die Tiere zu füttern... ich kann mir kein schöneres und aufregenderes Leben vorstellen. Ich weiß nicht, ob es außer mir Menschen gibt, die von einem solchen Leben träumen. Ich würde ihnen jedenfalls sagen: Hab Mut zum Abenteuer und zum Unglaublichen, gib allem Fremden eine Chance - du weißt nie, wohin das Leben dich führen wird.

Teil 1 der Story...

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