Im Interview mit Petra Geschonneck

Bei APASSIONATA sind die majestätischen Friesen echte Publikumslieblinge. Nicht zuletzt, weil die Chefin der Friesen-Equipe, Petra Geschonneck, ihre Pferde selbst ausbildet und auf Show-Niveau bringt. Im Interview spricht sie über ihren jüngsten Schützling, „Baby“. Bisher war der Hengst noch zu jung, um bei der Tournee dabei zu sein. Doch zur Premiere der neuen Show „Im Bann des Spiegels“ im Oktober 2015 wird er bereits 5 Jahre alt sein und damit in einem guten Alter für seinen ersten Auftritt...

Petra, wie führst du „Baby“ an das Leben als Show-Pferd heran?

Als „Baby“ zu mir kam, war er drei Jahre alt. Ich habe ihn selbst ausgebildet – vom Gymnastizieren über das Vorwärts-Abwärts-Reiten bis hin zu gezielten Übungen für das Gleichgewicht. Pferdeleben bei APASSIONATA bedeutet jedoch weit mehr: Behutsam habe ich meinen Schützling zusätzlich an Licht- und Toneffekte herangeführt. Musik zum Beispiel läuft bei uns sowohl in der Reitbahn als auch im Stall die meiste Zeit – selbstverständlich immer in einer für die Pferde angenehmen Lautstärke. Außerdem konnte ich „Baby“ mit meiner eigenen Lichtanlage in der Halle vertraut machen. Sobald ein Pferd an der Hand mit alldem gelassen umgeht, hat es die Trainingsbasis für die nächsten Schritte erreicht.

Vor dem ersten Auftritt muss ich dann natürlich noch testen, wie die „Jungs“ die ganz konkrete Show-Umgebung erleben. Um bei „Baby“ für die kommende Saison rechtzeitig vorzufühlen, habe ich ihn bei „Die goldene Spur“ schon einmal mitgenommen... zumindest ins Stallzelt, backstage und zum „Beschnuppern“ der Arena. Momentan steht zwar noch nicht ganz fest, ob er wirklich bei „Im Bann des Spiegels“ erste Lektionen zeigen wird oder zunächst als Ersatzpferd mitkommt... aber bereit sein wird er zur Premiere im Oktober auf jeden Fall!

Das langsame Heranführen an Musik- und Lichteffekte ist das A und O!

Welche Voraussetzungen muss ein Pferd haben, um bei APASSIONATA mitzumachen?

Das ist natürlich von Rasse zu Rasse ganz unterschiedlich. Wenn ich Friesen für die Show aussuche, achte ich auf ganz bestimmte äußerliche und vor allem charakterliche Merkmale. Besonders wichtig sind mir große, raumgreifende Bewegungen und ein schönes, kräftiges Erscheinungsbild, denn dafür liebt das APASSIONATA-Publikum die „schwarzen Perlen“. Außerdem müssen meine Vierbeiner ein „ehrliches“ Auge haben. Das ist schwer zu beschreiben, aber ich muss ihnen sozusagen in die Seele schauen können. Nur so können wir uns gegenseitig vollends vertrauen – was bei einem Show-Auftritt elementar ist.

Allerdings können auch Pferde, die nicht von vornherein ein aufsehenerregendes Exterieur haben, noch zum „schönen Schwan“ werden: denn durch gezieltes Training und eine darauf abgestimmte Fütterung wachsen selbstverständlich auch die Muskeln. „Baby“ beispielsweise ist, seit ich ihn bei mir habe, 11 Zentimeter größer geworden und misst inzwischen 1,75 Meter.

Um dann auch wirklich in der Show mitmachen zu können, müssen meine „Jungs“ sich während des gesamten Trainings frei und beweglich, sicher und selbstbewusst fühlen und mir signalisieren: „Schau her, ich werde es allen zeigen!“

Wie lange musst du ein Pferd ungefähr trainieren, um es auf „Show-Niveau“ zu bringen?

Das hängt von mehreren Faktoren ab und ist deshalb individuell ganz unterschiedlich. Wenn ein junges Pferd neu zu mir kommt, dauern Training für und Vorbereitung auf die erste Tournee etwa zwei Jahre. Wie bei uns Menschen gilt: Jeder lernt in seiner eigenen Geschwindigkeit. Um einen Hengst wie „Baby“ optimal auszubilden, muss ich also genau auf den Charakter eingehen und so versuchen, das Beste aus dem jungen Talent herauszukitzeln.

Anders ist es natürlich bei Pferden, die schon einige Lektionen beherrschen. Das verkürzt die Dauer der Ausbildung erheblich. Auch das Alter spielt selbstverständlich eine Rolle.

Wichtig ist darüber hinaus, was das jeweilige Pferd speziell in der Show zeigen soll. Quadrillen in schnellerer Gangart mit anspruchsvollen Lektionen der Hohen Schule benötigen entsprechend längeres Training als ein kurzer Einzelauftritt.

„Baby“s ältere Kollegen aus „Die goldene Spur“ beherrschen ihre Kunst perfekt.

Ist die erste Tournee mit einem Neuling aufwendiger als die folgenden?

Ein Pferdeneuling braucht definitiv mehr Aufmerksamkeit. Beispielsweise geht das Verladen mit den „alten Hasen“ um einiges schneller, weil sie die Abläufe gut kennen – reine Routine also. Den Vorsprung holen meine unerfahreneren „Jungs“ aber fix auf. Die Hauptsache ist, dass sich alle im Team liebevoll um das neue Familienmitglied kümmern.